CT Lungenkrebsscreening

Das CT Lungenkrebs Screening ist eine Früherkennungsmaßnahme mit dem Ziel, den Lungenkrebs bei Hochrisikopatienten in einem möglichst frühen Stadium zu diagnostizieren. In Deutschland soll das Screening Programm laut einem Statement der Europäischen Union bis 2021 umgesetzt werden. Groß angelegte Studien (> 50 000 Raucher) zeigten, dass sich die Sterblichkeit durch Lungenkrebs mittels dieser Früherkennungsmaßnahme um etwa 20% reduzieren lässt.

Für den Brustkrebs beispielsweise gibt es nun seit geraumer Zeit ein systematisches Screening für Frauen ab einem bestimmten Alter. Lässt sich das Konzept des Screenings auf den Lungenkrebs übertragen?

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Rauchen ist und bleibt weiterhin der wichtigste Risikofaktor für das Entstehen des Lungenkrebs. Daher ist das Lungenkrebs Screening nur für Raucher und Ex-Raucher mit hohem Risikoprofil vorgesehen.

Was bedeutet Screening?

Screening bezeichnet das systematische Untersuchen einer Bevölkerungsgruppe, die ein erhöhtes Risiko hat, eine bestimmte Erkrankung zu entwickeln und die noch keine Symptome aufweist. Ziel ist es Krankheiten, die einen schweren Verlauf nehmen können, in einem frühen und damit gut behandelbarem Stadium zu erkennen. Beim Mammografie-Screening sind die beiden Risikofaktoren die zum Einschluss in das Screening-Programm führen das Geschlecht und das Alter.

Hintergrundwissen Lungenkrebs

Dass eine Krebserkrankung für die Betroffenen und deren Umfeld einen riesigen Einschnitt in das Leben bedeutet ist offensichtlich. Der Haupt-Risikofaktor für das Entstehen des Lungenkrebs ist und bleibt nach wie vor das Rauchen (1). Unspezifische Symptome, die auf das Vorliegen dieser Krebserkrankung hinweisen können sind therapieresistenter Husten (ggf. mit Blutbeimengungen), Gewichtsverlust und Nachtschweiß. Die Diagnose des Lungenkrebs wird letztlich durch einen Pathologen gestellt, der eine Gewebeprobe, welche z.B. mittels einer CT-gesteuerten Punktion entnommen wurde, untersucht. Vorher erfolgt meist eine Bildgebung der Lunge mittels einer CT-Untersuchung des Thorax mit Kontrastmittel. Die Prognose ist vor allem davon abhängig, in welchem Stadium der Tumor entdeckt wird und welcher Subtyp vorliegt (Auf eine detaillierte Aufteilung der verschiedenen Lungenkarzinome wird hier verzichtet). Je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser kann man ihn behandeln. Diese Tatsache legt ein systematisches Screening der Bevölkerung nahe, gerade wenn man bedenkt, wieviele Menschen weltweit am Lungenkrebs versterben (s.u.). Weitere Fakten zur gesellschaftlichen Relevanz des Lungenkrebs zeigt folgende Auflistung:

  • 2013 war der Lungenkrebs in der Europäischen Union mit 270 000 Todesfällen die am häufigsten zum Tode führende Krebsart (2).
  • Für Deutschland werden seit längerer Zeit um die 45000 Todesfälle pro Jahr berichtet (1).
  • 80 – 90 % der Lungenkrebserkrankungen betreffen Raucher. Weitere Risikofaktoren sind die Inhalation von Radon, Asbest, Chrom, Arsen u.a.
  • Im Jahr 2017 war Lungenkrebs die Krebserkrankung, die bei Männern zu den häufigsten und bei Frauen zu den zweithäufigsten Todesfällen innerhalb der EU geführt haben.
  • Bisher wurden etwa 50 % der Lungenkrebspatienten (wenn die Diagnostik auf Grund von Symptomen erfolgte) bereits in einem deutlich fortgeschrittenem Stadium mit Fernmetastasierung und entsprechend schlechter Prognose diagnostiziert (3).

Hintergrundwissen CT (Computertomografie)

Kurz gesagt: Die Computertomografie ist ein überwiegend in der Medizin eingesetztes Verfahren, welches mittels Röntgenstrahlen eine Schnittbildgebung des Körpers z.B. der Lunge und des Brustkorbes erzeugt. Die Bilder werden von einem Radiologen ausgewertet, dieser erstellt anschließend einen schriftlichen Befund für den behandelnden Arzt. Da ionisierende Strahlung dem Körper schadet, muss vor jedem Einsatz der CT individuell der Nutzen gegenüber den Risiken der Strahlenbelastung abgewogen werden. Für das Lungenkrebs Screening wird eine spezielle Untersuchungstechnik mit deutlich reduzierter Strahlenbelastung verwendet, der Low-Dose Technik. Den Risiken einer Computertomografie und dem zusätzlichen Krebsrisiko durch Röntgenstrahlen haben wir einen eigenen Artikel gewidmet.

CT-Lungenkrebs-Screening
Beispiel CT-Lungenkrebs-Screening

Lungenkrebs Screening mittels CT

Die Idee des Lungenkrebs Screenings ist nicht neu. Man hat bereits in der Vergangenheit versucht mit anderen Screening Methoden, z.B. einer Röntgenuntersuchung des Thorax oder einer Sputumuntersuchung den Lungenkrebs in einem frühen Stadium zu “erwischen”. In der Vergangenheit war die Studienlage dafür jedoch recht schlecht, da mittels der o.g. Screening-Methoden die Sterblichkeit in den jeweils untersuchten Patientenkollektiven nicht gesenkt werden konnte (4). Es ist unstrittig, dass mittels der CT-Untersuchung kleinere Raumforderungen der Lunge besser detektiert werden können. Bis dato gab es jedoch keine eindeutigen Untersuchungen und Studien, die für ein systematisches Lungenkrebs-Screening bei Hochrisikopatienten sprachen. Dies änderte sich jedoch vor allem durch eine sehr bekannt gewordene Studie, dem NLST (National Lung Screening Trial) aus den USA. Rahmenbedingungen und Hauptaussagen dieser Studie sind:

  • Aktive oder Ex-Raucher, 55-74 Jahre bei Rekrutierung, 30 oder mehr Packyears, insgesamt 53.454 Teilnehmer
  • 50 % der Teilnehmer wurden mittels Niedrigdosis-CT drei Jahre lang ein mal pro Jahr untersucht
  • 50 % der Teilnehmer wurden mittels Röntgenuntersuchung drei Jahre lang ein mal pro Jahr untersucht
  • In der Gruppe, die mittels Niedrigdosis-CT gescreent wurde, lag die Sterblichkeit an Lungenkrebs 20 % unter der Vergleichsgruppe.

Aktuell gibt es trotz der recht guten Studienlage noch kein etabliertes Lungenkrebs-Screening in Deutschland, allerdings befindet sich dieses zur Zeit in Planung (s. Ausblick). Diskussionsthemen dabei sind zum Beispiel die Auswahl der Einschlusskriterien, die Kombination an ein Raucherentwöhnungsprogramm, und die Art und Durchführung der Qualitätskontrolle. Das größte Problem diesbezüglich ist unserer Einschätzung nach die präzise Auswahl von Einschlusskriterien, damit wirklich nur Hoch-Risiko-Patienten gescreent und Niedrig-Risiko-Patienten keiner unnötigen Strahlenbelastung ausgesetzt werden.

Wie ist die Strahlenbelastung im CT?

Bei dem Lungenkrebs Screening ist es vorgesehen, dass sämtliche Screening- Untersuchungen in Low-Dose Technik durchgeführt werden. Während die geschätzte Strahlendosis einer normalen CT-Untersuchung des Thorax bei ca. 7 mSv liegt, sind Patienten bei einer Low-Dose Untersuchung etwa 1,5 – 2 mSv ausgesetzt. Die Dosisreduktion ist also erheblich. Mit welchen Gefahren eine CT-Untersuchung verbunden ist oder ob diese unbedenklich ist erfahren Sie hier. Auch kann man dort nachlesen wie hoch das zusätzliche Krebsrisiko einer theoretischen Untersuchung mit 10 mSv statistisch ist.

Kontrastmittel

Wird beim CT-Thorax Lungenkrebs Screening Kontrastmittel angewendet? Es ist nicht vorgesehen, dass im Rahmen des Lungenkrebs Screenings Kontrastmittel appliziert wird. Allerdings kann es sein, dass falls innerhalb des Screenings verdächtige Raumforderungen auffallen, eine Untersuchung mit Kontrastmittel ergänzt wird.

Ausblick in die Zukunft

Die Europäische Union hat bereits 2017 ein Statement bezüglich des Lungenkrebs Screenings mittels CT abgegeben. Laut diesem soll das Screening Programm flächendeckend innerhalb der EU bis 2021 geplant und umgesetzt werden (6). Den Empfehlungen der Fachgesellschaften folgend soll die Untersuchung mit reduzierter Strahlendosis durchgeführt (Low-Dose-CT) und nur Hoch-Risiko-Patienten gescreent werden. Weiterhin fordert die EU eine Kopplung an ein Raucherentwöhnungsprogramm (6). Ob die Etablierung bis 2021 ein realistisches Ziel ist, bleibt abzuwarten.

Lungenkrebs Screening in Deutschland

In Deutschland gibt es sogar bereits eine Früherkennungsmaßnahme für den Lungenkrebs, nämlich das “Erweiterte Vorsorgeangebot zur Früherkennung von Lungenkrebs der Berufsgenossenschaften“. Dies wird aber nur für Menschen angeboten, die 55 Jahre oder älter sind, 10 oder mehr Jahre beruflich bedingt einer Asbestgefährdung ausgesetzt waren und zudem einen Nikotinkonsum von >=10 Pack Years aufweisen. Hintergrund ist der, dass sich das Risiko für die Entstehung eines Lungenkrebs bei gleichzeitigem Konsum von Nikotin und einer Asbestexposition potenziert.

Bis das systematische Lungenkrebs-Screening in Deutschland etabliert werden kann, wird wahrscheinlich noch einige Zeit vergehen. Vorher müsste eine entsprechende Rechtsverordnung durch das Bundesumweltministerium erfolgen. Anschließend würde der gemeinsame Bundesausschuss der Krankenkassen diese Rechtsverordnung prüfen und entscheiden, ob die Kosten von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen werden. Ob das Ziel aus dem Statement der EU aus dem Jahr 2017 realistisch ist, ist aus heutiger Sicht sehr fraglich.
Unabhängig davon gibt es bereits jetzt radiologische Praxen, die Low-Dose-CTs zur Früherkennung des Lungenkrebs anbieten.

Zertifizierte Lungenkrebszentren

Erfüllt ein Klinikum die von der deutschen Krebsgesellschaft geforderten Kriterien, so kann sich der Standort als Lungenkrebs Zentrum zertifizieren lassen. Wichtige Kriterien sind insbesondere eine entsprechend hohe Fallzahl (mindestens 200 Lungenkrebspatienten pro Jahr) und das Vorhandensein eines interdisziplinären Teams mit hohen Kenntnissen im Bereich Lungenkrebs. Eine Übersicht über die zertifizierten Lungenkrebs Zentren finden sie auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie.

Ist eine CT-Untersuchung unbedenklich?

Dieser Frage haben wir eine eigene Seite gewidmet. Prinzipielle Risiken einer CT sind die Strahlenbelastung, eine eventuelle Kontrastmittelexposition und der Umgang mit zufälligen Nebenbefunden.

Wer übernimmt die Kosten des Lungenkrebs Screenings?

In Zukunft halten wir es für recht wahrscheinlich, dass die gesetzlichen und privaten Krankenkassen die Kosten für eine Screening Untersuchung bei entsprechenden “Risikopatienten” übernehmen wird. Bis dahin müssten die Kosten für die Untersuchung selbst übernommen werden.

Lungenkrebs Screening für Nicht-Raucher

Aktuell empfehlen die Fachgesellschaften keine Teilnahme von Nicht-Rauchern bzw. Wenig-Rauchern am Lungenkrebs Screening Programm. Eine individuelle Abwägung kann jedoch durch einen Arzt z.B. an einem Lungenkrebs-Zentrum erfolgen. Diese Thematik hat übrigens auch eine ethische Komponente, da sich Nicht-Raucher u.U. benachteiligt fühlen könnten, weil sie die Screening-Kosten für Raucher mittragen müssten.

Würden Sie teilnehmen?

Wäre das Lungenkrebs Screening für Sie als Raucher/in oder Nicht-Raucher/in interessant? Bitte nehmen Sie an unserer Umfrage teil – natürlich anonym, ohne Notwendigkeit einer Registrierung oder der Angabe von Kontaktdaten. Mit einem Klick auf “View results” können Sie sich direkt die Ergebnisse der anderen Teilnehmer anzeigen lassen. Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

Die Umfrage wird zur Zeit nicht durchgeführt.

Quellen

  1. S3-Leitlinie Lungenkarzinom: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms
  2. Eurostat Statistik 02/2016
  3. Revisions in the International System for Staging Lung Cancer
  4. Screening by chest radiograph and lung cancer mortality: the Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian (PLCO) randomized trial.
  5. National Lung Screening Trial
  6. European position statement on lung cancer screening.